Landtagswahl Hessen

am 28. Oktober 2018

Kitas / Schulen / Bildung

Unsere FragenCDUSPDBündnis 90 / Die GrünenDie LinkeFDPAfD

Zum Themenfeld Kitas / Schulen / Bildung haben wir den zur Wahl stehenden Parteien folgende Fragen gestellt:

Soll auch in Zukunft im Bereich Schule der Einfluss von Ditib bestehen bleiben oder setzen Sie auf andere, eher liberale Kräfte im Islam?

Wie wollen Sie dem Lehrermangel an Hessens Berufsschulen begegnen?

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an Hessens Schulen und wie wollen Sie ihnen begegnen?

Was bedeuten im Bereich von Schule und Bildung Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit?

Braucht unsere Gesellschaft Eliten – und wenn ja: Wie sollen jene in Hessen gefördert werden?

In den nebenstehenden Reitern können Sie die Antworten der jeweiligen Parteien auf diese Fragen vergleichen.

Anmerkung der Redaktion
Die Antworten der Parteien sind hier im Original wiedergegeben. Die Ausführungen wurden nicht gekürzt oder anderweitig redaktionell bearbeitet. Für die Inhalte sind die entsprechenden Parteien verantwortlich.

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Soll auch in Zukunft im Bereich Schule der Einfluss von DITIB bestehen bleiben oder setzen Sie auf andere, eher liberale Kräfte im Islam?

Die CDU Hessen begrüßt, dass das Hessische Kultusministerium die weitere Zusammenarbeit mit dem Moscheeverband DITIB bei der Umsetzung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichtes von der Erfüllung eines klaren Ultimatums zum Nachweis der organisatorisch- institutionellen und politisch-ideologischen Unabhängigkeit des Verbandes von der türkischen Regierung abhängig gemacht hat. Die Agitation radikaler Kräfte zugunsten eines türkischen Nationalismus auf deutschem Boden, der Verherrlichung eines Regimes mit zunehmend diktatorischen Zügen in Ankara sowie eines rückwärtsgewandten Islamverständnisses sind ein Nährboden für die Verfestigung von Parallelgesellschaften. Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklungen darf nicht der Rest eines Zweifels bestehen bleiben, dass sich die personellen und strukturellen Verbindungen zwischen dem DITIB-Landesverband Hessen und der Regierung in Ankara nicht auch auf die Ausgestaltung des hiesigen Religionsunterrichtes auswirken.
Eine sofortige Beendigung der Kooperation kann gegenwärtig nicht umgesetzt werden, da die auf Betreiben der FDP im Jahr 2012 eingegangene Kooperation mit dem DITIB-Landesverband Hessen durch die seinerzeitige Kultusministerin Beer mit diversen rechtlichen Garantien versehen wurde. Bis zum 31. Dezember 2018 sind jedoch durch den DITIB-Landesverband Hessen sowohl eine stärkere institutionelle Unabhängigkeit von der türkischen Religionsbehörde Diyanet und des ihr weisungsgebundenen DITIB-Dachverbandes in Köln, als auch ein bereits seit Jahren ausstehendes Mitgliedsregister und funktionsfähige Verwaltungsstrukturen nachzuweisen.
Nach dem Ende der für die Erfüllung der Auflagen gesetzten Frist wird erneut darüber zu entscheiden sein, ob DITIB Hessen noch die verfassungsrechtlichen Anforderungen einer Religionsgemeinschaft erfüllt. Sollte dies nicht der Fall sein, werden wir als Alternative zum bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht ein staatliches und verfassungskonformes Angebot für muslimische Kinder sicherstellen. Das seitens der CDU von Beginn an präferierte Modell eines Faches Islamkunde bzw. eines Ethikunterrichtes mit islamkundlichem Schwerpunkt ist nach unserer Auffassung die am besten geeignete Variante, um bei der Erteilung des Unterrichtes ausländische Einflüsse auszuschließen und zugleich die unterschiedlichen Glaubensrichtungen innerhalb des Islam berücksichtigen zu können.

Wie wollen Sie dem Lehrermangel an Hessens Berufsschulen begegnen?

Nach den drastischen Kürzungen unter der letzten rot-grünen Landesregierung hat die CDU seit Übernahme der Regierungsverantwortung im Jahr 1999 nicht nur 10.000 zusätzliche Lehrerstellen und eine bundesweit einmalige 105-prozentige Unterrichtsversorgung geschaffen, sondern auch die Zahl der Lehrer im Vorbereitungsdienst erhöht und auf einem hohen und bedarfsgerechten Niveau stabilisiert. So wurde die Zahl der Referendarstellen an allen Schulformen von 3.335 auf 4.800 erhöht. Noch im Jahr 2011 war ein Vorhaben der FDP-Kultusministerin Henzler zur Einsparung von Referendarstellen aufgrund des energischen Widerstandes aus den Reihen der CDU-Fraktion verhindert worden. Aufgrund der seit 1999 herbeigeführten Stellen- und Referendarzuwächse hat Hessen heute das im Durchschnitt drittjüngste Lehrerkollegium aller Länder vorzuweisen. Auch der bundesweite Engpass an verfügbaren Lehrerstellen als Folge der nicht vorhersehbaren Flüchtlingszahlen konnte in Hessen deutlich besser überbrückt werden als in anderen Ländern. Durch seine attraktiven Arbeitsbedingungen hat sich Hessen zudem einen Vorteil im bundesweiten Wettbewerb um die besten Lehrkräfte erarbeitet. Auch an den Berufsschulen konnten dank massiver Investitionen in den Bildungsetat trotz der freien Studien- und Berufswahl und des Wettbewerbes mit dem freien Arbeitsmarkt nahezu alle Lehrerstellen besetzt werden.
Ungeachtet dieser soliden Ausgangslage wird die CDU Hessen auch künftig verlässlich darauf achten, dass im Falle steigender Schülerzahlen und neuer Bedarfslagen die Ausbildungskapazitäten entsprechend angepasst werden. Auch wenn sich der Bedarf im Zuge des demographischen Wandels reduzieren wird, ist die Versorgung der beruflichen Schulen mit einer ausreichenden Anzahl qualifizierter Lehrkräfte aller beruflichen Fachrichtungen zweifelsohne eine dauerhafte und mit besonderer Intensität zu verfolgende Aufgabe. Insbesondere in den beiden Fächern Metall- und Elektrotechnik ist in allen Bundesländern ein gleichermaßen hoher Bedarf an ausreichend qualifizierten Bewerbern zu verzeichnen. Wir werden dem Bedarf an Fachlehrern für arbeitstechnische Fächer durch speziell ausgerichtete Sondermaßnahmen und Quereinstiegsprogramme begegnen, die sich an den konkreten Erfordernissen der jeweiligen beruflichen Fachrichtungen ausrichten. So gilt es insbesondere weitere Aufstiegsmöglichkeiten für die bislang in der Besoldungsgruppe A 11 eingestuften Fachlehrer für arbeitstechnische Fächer zu schaffen. Darüber hinaus soll das im vergangenen Jahr aufgelegte Programm zum Quereinstieg in das Lehramt an beruflichen Schulen in Metall- und Elektrotechnik bei Bedarf fortgeführt und weiter ausgebaut werden. Berufserfahrene Fachkräfte aus der Wirtschaft, die über einen entsprechenden Hochschulabschluss verfügen, erwerben dabei nach dreijähriger Weiterbildung und bestandener Prüfung das Lehramt an beruflichen Schulen und werden in das Beamtenverhältnis übernommen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an Hessens Schulen und wie wollen Sie ihnen begegnen?

Unter Führung der CDU hat sich Hessen von einem Bildungsabsteiger zu einem Spitzenland entwickelt. Seit Übernahme der Regierungsverantwortung im Jahre 1999 wurde die Zahl der Lehrerstellen trotz deutlich gesunkener Schülerzahlen um fast 10.000 von 43.804 auf 54.071 ausgebaut. Im Schuljahr 2017/18 werden daher jede Woche über 250.000 Stunden mehr Unterricht erteilt, als unter der letzten SPD-geführten Regierung im Jahre 1999. Die Schüler-Lehrer-Relation wurde von 1:19 auf 1:14 gesenkt; die Unterrichtsversorgung von 83 auf 105 Prozent ausgebaut – ein Wert, der bislang in keinem der anderen 15 Bundesländer auch nur annähernd erreicht werden konnte. Zudem sind die Pro-Kopf-Ausgaben für Bildung in keinem der 13 Flächenländer höher als in Hessen. Der Bildungsfinanzbericht des Jahres 2017 hat für unser Land einen Spitzenwert von 1.495 Euro pro Kopf konstatiert – damit steht Hessen sogar noch vor Baden-Württemberg oder Bayern. Während die Schulen in Hessen deutlich bessere personelle und finanzielle Rahmenbedingungen vorfinden, als in allen anderen Bundesländern, bleiben bestimmte gesellschaftliche und die Schulen in ganz Deutschland betreffende Entwicklungen und Rahmenbedingungen auch in Hessen nicht ohne Auswirkungen auf das Bildungswesen. So stellt insbesondere die Zuwanderung von Schülern ohne deutsche Sprachkenntnisse die Schulen vor besondere Herausforderungen. Aber auch ein unkritisches und die unterschiedlichen Formen von Behinderungen und Beeinträchtigungen ignorierendes Verständnis von Inklusion stellt die Schulen vor Probleme. Als CDU Hessen wollen wir der aus beiden Entwicklungen resultierenden Gefahr einer zu weit auseinanderklaffenden Heterogenität an den Schulen neben der ausgezeichneten und bundesweit vorbildlichen Ressourcenausstattung auch mit zielführenden und nachhaltigen Konzepten und Lösungsansätzen entgegenwirken. So muss insbesondere an den weiterführenden Schulen sichergestellt werden, dass nicht in einer Klasse gleichzeitig Hochbegabte unterfordert und Analphabeten überfordert, sondern die unterschiedlichen Ansprüche, Defizite und Leistungsanforderungen der Schüler in einem möglichst homogenen Lernumfeld zusammengeführt werden.
Im Bereich der Integration müssen der Erwerb der deutschen Sprache und die Anpassung an die vorherrschende Werteordnung ohne Abstriche eingefordert werden. Allen Kindern sollen an den Schulen grundlegende Werte und Regeln unseres Landes wie Ordnung, Disziplin, Pünktlichkeit, Nächstenliebe, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein vermittelt werden. Die deutsche Sprache ist zudem die unerlässliche Grundvoraussetzung für den Erwerb eines Schulabschlusses und die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Während Kinder und Jugendliche mit überwiegend muttersprachlicher Sozialisation aufgrund ihrer Sprachdefizite in Parallelgesellschaften abzudriften drohen, eröffnet sich Ausländern durch das Erlernen der deutschen Sprache der Zugang für eine Verständigung mit Nachbarn, Arbeitgebern, Kollegen, Vereinen oder Behörden und damit für eine gelungene Integration in die Gesellschaft. Als CDU Hessen setzen wir uns dafür ein, dass die Amts-, Schul- und Verkehrssprache Deutsch nicht nur im Unterricht und in den Klassenzimmern, sondern auch in den Pausen und auf dem gesamten Schulgelände gepflegt wird.
Zur Durchsetzung von „Deutsch auf Schulhöfen“ sollen nach dem Vorbild anderer Länder verbindliche Erziehungsvereinbarungen zwischen Schule und Eltern getroffen werden. Aufgrund der einschlägigen Erfolgsbilanz wollen wir darüber hinaus den Vorlaufkursen für schulpflichtig werdende Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse bzw. mit festgestelltem Sprachförderbedarf in Zukunft einen verbindlichen Charakter geben, so dass jedes Kind zu Beginn seiner Schullaufbahn über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt. Bei älteren Schülern, die als Seiteneinsteiger ohne adäquate Sprachkenntnisse oder als Analphabeten nach Deutschland gelangen, kommt dem Ausbau und der Weiterentwicklung des unter Führung der CDU in Hessen über viele Jahre hinweg etablierten schulischen Gesamtsprachförderkonzeptes eine entscheidende Rolle zu. Die Bausteine umfassen dabei vor allem Intensivklassen und -kurse an allgemeinbildenden sowie im Rahmen des InteA-Programmes („Integration durch Anschluss und Abschluss“) auch an beruflichen Schulen. Hinzu kommen Alphabetisierungskurse und ergänzende Deutsch-Förderkurse in den Regelklassen.
Zur Umsetzung dieses Gesamtkonzeptes hat Hessen im Haushaltsjahr 2016 rund 800 und in 2017 rund 1.100 Stellen geschaffen; das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 185 Millionen Euro. Insgesamt werden im laufenden Schuljahr 2017/18 bis zu 2.630 Stellen für den Gesamtbereich Sprachförderung und Integration der seit Beginn der Legislaturperiode aufgenommenen Seiteneinsteiger sowie Schüler nicht-deutscher Herkunftssprache zur Verfügung stehen. Die Zahl der Lehrerstellen wird zudem monatlich angepasst, um auf geänderte Bedarfsentwicklungen ohne zeitlichen Verzug reagieren zu können. Über 500 Lehrkräfte sind schließlich im Rahmen eines Weiterbildungskurses für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache (DaF/DaZ) mit dem Ziel des Erwerbs der Fakultas DaF/DaZ weitergebildet worden. Außerdem haben über 4.300 Lehrkräfte eine DaZ-Basisqualifikation erhalten. Neben diesen personellen Voraussetzungen ist es uns als CDU wichtig, dass ein Wechsel aus den Intensiv- und Sprachförderkursen in die Regelklasse erst dann erfolgen darf, wenn der Schüler mittels einer bestandenen Deutschprüfung nachweisen kann, dass er über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt, um dem Unterricht folgen zu können. Eine automatische Überführung in den Regelunterricht nach einer bestimmten Anzahl von Kursen oder Jahren lehnen wir hingegen ab.
Bei der kontinuierlichen Herausforderung einer am Wohl des Kindes orientierten Beschulung von Kindern mit Beeinträchtigungen und Behinderungen setzen wir als CDU auf eine ideologiefreie Inklusion mit Augenmaß und pädagogischen Grenzen sowie eine Stärkung der bewährten hessischen Förderschullandschaft. Die Bestrebungen der SPD und anderer Parteien zur Auflösung von Förderschulen lehnen wir kategorisch ab. Inklusion in der Regelschule kann nach unserer Überzeugung nie für jeden Schüler die bedarfsgerechte Lösung sein. Bei Kindern, die an weiterführenden Schulen nicht lernzielgleich unterrichtet werden können oder die aufgrund von Misshandlungen und psychischen Beeinträchtigungen besonderer Schon- und Rückzugsräume bedürfen, stößt die Inklusion auf offenkundige pädagogische Grenzen der Beschulbarkeit. Bei der jeweils individuell zu beantwortenden Frage nach einer inklusiven Beschulung müssen darüber hinaus auch das Wohl und die Lernziele der nicht-behinderten Kinder berücksichtigt werden – es gilt daher beispielsweise zu unterscheiden zwischen einer den Unterricht nicht beeinträchtigenden körperlichen Behinderung und schweren Verhaltensstörungen oder aggressivem Verhalten gegenüber Mitschülern und Lehrkräften.
Wir werden daher als Union die diagnostischen Instrumente vor und nach der Einschulung sowie die Entscheidungskompetenzen der betroffenen Schulen stärken und eine jederzeit mögliche Überprüfung der inklusiven Beschulbarkeit durch die Förderausschüsse ermöglichen. Oberstes Ziel der Beschulung von Kindern mit Behinderungen ist nach unserer Überzeugung deren Integration in die Gesellschaft und die Führung eines möglichst selbstbestimmten Lebens. Dieses Ziel kann bei der kognitiven Fähigkeit zu lernzielgleichem Unterricht die Erlangung eines regulären Schulabschlusses an der allgemeinen Schule darstellen. In anderen Fällen steht jedoch die Vermittlung lebenspraktischer Fähigkeiten im Vordergrund, die in entsprechend spezialisierten und qualifizierten Förderschulen in enger Kooperation mit Betreuungseinrichtungen oder Behindertenwerkstätten ungleich stärker im Sinne der künftigen Lebenswege der Betroffenen geleistet werden kann. Für uns als Union sind die Förderschulen somit ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil des hessischen Schulsystems. Sie stellen nach wie vor ein erfolgreiches und attraktives Bildungsangebot mit kleinen Klassen, optimaler Förderung und gesicherten Übergängen dar, leisten mit den sehr gut ausgebildeten Förderschullehrkräften eine hervorragende Arbeit und sind zum Erhalt von sonderpädagogischer Fachlichkeit unerlässlich. Die CDU wird daher bei einer Fortsetzung des Regierungsauftrages in der kommenden Legislaturperiode keine Förderschule in Hessen schließen.

Was bedeuten im Bereich von Schule und Bildung Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit?

Alle Menschen haben unterschiedliche Begabungen, Neigungen, Interessen und Bedürfnisse. Auch wenn sie dadurch nicht alle gleich sind, sind sie uns als Christdemokraten alle gleich viel wert. Mit einem begabungs- und leistungsgerecht differenzierenden Schulsystem gilt es den vielfältigen Veranlagungen und Talenten, aber auch den individuellen Defiziten und Förderansprüchen aller Schüler umfassend Rechnung zu tragen. Das Fundament für gerechte Bildungschancen ist ein Schulwesen, das sowohl für stärker theoretisch orientierte, als auch für eher praktisch begabte Schüler gleichermaßen passgenaue Angebote zur Verfügung stellt. Die beiden tragenden Säulen der Schulvielfalt und Wahlfreiheit sind vor diesem Hintergrund der Garant dafür, dass Kinder entsprechend ihrer vielfältigen Begabungen auch entsprechend vielfältig gefördert und gefordert werden und Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit optimal gemäß den individuellen Veranlagungen der Schüler verwirklicht werden können.
Wie kein anderes Bundesland verfügt Hessen über ein extrem durchlässiges und chancenreiches Bildungssystem. So können beispielsweise Schüler, die einen Hauptschulabschluss erzielt haben, auf die Berufsfachschule wechseln und dort den Realabschluss erwerben. Anschließend steht ihnen die Möglichkeit offen, eine Fachoberschule zu besuchen und dort eine Studienzugangsberechtigung zu erlangen. Bereits im Jahr 2005 hat die CDU in Hessen zudem den Hochschulzugang für Meister oder gleichwertige Ausbildungsberufe ermöglicht. Ein Schreinermeister kann somit ein Architekturstudium an seine Ausbildung anhängen; ein Kfz-Mechaniker kann entscheiden, ob er seinen erlernten Beruf ausüben oder ein Maschinenbaustudium aufnehmen möchte. In einem Pilotprojekt können sich seit Anfang des Jahres 2017 auch junge Menschen, die eine duale Ausbildung mindestens mit der Note 2,5 abgeschlossen haben, an einer hessischen Hochschule einschreiben. Die CDU-geführte Landesregierung hat somit in den letzten 20 Jahren alle Stoppschilder aus dem Weg geräumt und vielfältige Chancen und Perspektiven zur lebenslangen persönlichen Weiterentwicklung und beruflichen Weiterbildung eröffnet.
Darüber hinaus hat die CDU in Hessen mit praxisorientierten Modellen wie den erfolgreichen Programmen der SchuB- und PuSch-Klassen auch versetzungsgefährdete Schüler im Hauptschulbildungsgang wirkungsvoll zum Abschluss und zur Ausbildungsreife geführt. Die Kombination aus drei Tagen Unterricht und zwei betrieblichen Praxistagen pro Woche sowie sozialpädagogischer Begleitung vermittelt insbesondere Schülern mit Schwächen im theoretischen Lernstoff durch die Praxis in den Betrieben neues Selbstbewusstsein und die Motivation zu Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft. Die Abschlussquote der 2000 Jugendlichen im ersten PuSch-Jahrgang 2015/16 lag bei 85 Prozent an den allgemeinbildenden („PuSch A“) und bei 61 Prozent an den beruflichen Schulen („PuSch B“). Die Ergebnisse dieser gezielten Förderung der Schüler im Hauptschulbildungsgang sind beachtlich: So hat die Caritas-Bildungsstudie 2017 für das Land Hessen die bundesweit niedrigste Schulabbrecherquote festgestellt. Während die bundesweite Quote der Schulabbrecher von 5,7 auf 5,9 gestiegen ist, hat Hessen dem Trend trotzen und einen erfreulichen Rückgang von 4,9 auf 4,2 Prozent verzeichnen können. Damit liegt Hessen nicht nur bundesweit an der Spitze, sondern weist zusammen mit Brandenburg auch den stärksten Rückgang aller Bundesländer auf: Im Zeitraum von 2006 bis zu o.a. Studie auf der Datengrundlage des Jahres 2015 konnte Hessen den Anteil von 8,2 auf 4,2 Prozent nahezu halbieren. Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt der INSM-Bildungsmonitor 2017 im Hinblick auf den Anteil der ausländischen Schulabgänger ohne Abschluss. Hier erzielte Hessen mit einem Schnitt von 8,1 nach Brandenburg den zweitbesten Wert aller 16 Bundesländer.
Eine gerechte Bildungspolitik schafft nicht die Voraussetzungen für formale Abschlüsse, sondern für praktische Qualifikationen zur Bewältigung des Berufs- und Lebensalltages sowie für berufliche und private Lebensperspektiven. In keinem anderen europäischen Land haben junge Menschen mit ihren unterschiedlichen Talenten und Begabungen bessere berufliche Perspektiven und Karriereaussichten als in Deutschland. Die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen ist nicht nur seit Jahren die mit Abstand niedrigste aller 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, sondern konnte im vergangenen Jahr auf einen erneuten Tiefstwert von 6,6 Prozent gesenkt werden. Europäische Länder mit hohen Akademikerquoten und Einheitsschulsystemen haben dagegen eine bis zu fünfmal so hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen aufzuweisen.
Diese beeindruckende Bilanz ist maßgeblich auf das bildungspolitische Leitbild der CDU von der Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung und eines begabungsgerechten und differenzierenden Schulsystems als notwendiger Grundlage zurückzuführen. Sie widerlegt auch das von der Wissenschaft ohnedies kritisch beäugte Konzept vom vermeintlichen Wunderheilmittel der gebundenen Zwangsganztagsschule, die in Ländern wie Frankreich überdurchschnittlich viele Schulabbrecher und Arbeitslose hervorgebracht hat. Auch dem von den linken Parteien geforderten „längeren gemeinsamen Lernen“ wurden von der Wissenschaft keine vorteilhaften Effekte zur Realisierung von Chancengleichheit bescheinigt. So kam ausgerechnet der vormalige
„Gesamtschulpapst“ Helmut Fend in einer Studie zu dem Ergebnis: „Selten hat mich das Ergebnis meiner Forschungen so überrascht und enttäuscht wie diesmal: Die Gesamtschule schafft unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems – entgegen ihrem Anspruch und entgegen den Hoffnungen vieler Schulreformer, denen ich mich verbunden fühle.“ Eine umfassende Studie des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung hat zudem gezeigt, dass nicht nur Gymnasiasten, sondern auch Realschüler von der frühen, mit dem 5. Jahrgang einsetzenden Differenzierung nach Schulformen profitieren. Am Ende des 10. Jahrgangs haben sie gegenüber gleich begabten Gesamtschülern „einen Wissensvorsprung von etwa zwei Schuljahren“. Dieser Abstand bleibt bis zum Ende des 13. Jahrgangs bestehen.
Als CDU sind wir davon überzeugt: Wenn junge Menschen aller Begabungen in Lohn und Brot gebracht werden und Auszubildende wie Studierende gleichermaßen ausgezeichnete Zukunftschancen genießen, sind Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit am überzeugendsten und nachhaltigsten verwirklicht. Dieses christdemokratische Verständnis von gleichen und gerechten Bildungschancen im Sinne einer Sicherung persönlicher Lebensperspektiven und beruflicher Zukunftsaussichten unterscheidet sich grundlegend von der vor allem von SPD und Linkspartei immer wieder geforderten Ergebnisgleichheit, bei der Förder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien zugunsten einer „Gemeinschaftsschule“ abgeschafft werden und alle Schüler am Ende ein wertloses Abiturzeugnis erhalten sollen, da – so die Auffassung der vormaligen SPD- Spitzenkandidatin Ypsilanti – der Weg für Menschen ohne Abitur „nur noch nach unten“ gehe. Diese einseitige Fixierung auf Gymnasial- und Akademikerquoten und die Diffamierung von Haupt-, Real- und Berufsschülern durch Herrn Schäfer-Gümbel als „Absteiger“ wird weder den Verdiensten und dem Engagement der zahlreichen jungen Menschen ohne Abitur, noch deren herausragendem Beitrag zu Wachstum und Wohlstand in Hessen und Deutschland gerecht. Wer das „Abitur für alle“ propagiert und die Schulformen jenseits des Gymnasiums permanent schlechtredet, sorgt gerade nicht für Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit, sondern handelt gefährlich und verantwortungslos – nicht nur gegenüber der Gesellschaft, sondern vor allem gegenüber den zahlreichen Menschen ohne Abitur, die vielfach ein erfülltes und erfolgreiches Leben führen und einen herausragenden Beitrag zu Wachstum und Wohlstand in unserem Land leisten.

Braucht unsere Gesellschaft Eliten – und wenn ja: Wie sollen jene in Hessen gefördert werden?

Als Christdemokraten richten wir unsere Bildungspolitik nicht am sozialistischen Ideal des Einheitsmenschen aus, sondern an den individuellen Stärken und Schwächen jedes Kindes – egal ob lernschwach oder hochbegabt. Gerade ein hochtechnologisiertes Industrieland wie Deutschland kann auf besondere Begabungen und Fähigkeiten überdurchschnittlich intelligenter oder praktisch begabter Schüler nicht verzichten. Folglich gilt es auch das Potential und die vielfältigen Begabungen besonders leistungsstarker Kinder zu diagnostizieren und gerade in Fächern wie Mathematik oder Naturwissenschaften außergewöhnliche Talente und Fertigkeiten gezielt zu fördern. Mit der Beratungsstelle BRAIN („Beratung und Information über besondere Begabung“) an der Philipps-Universität in Marburg hat die CDU bereits im Jahr 1999 eine nach wie vor erfolgreiche und wirkungsvolle Anlaufstelle für Eltern, Lehrer, Schulleiter und Psychologen bei speziellen Fragen im Zusammenhang mit intellektueller Hochbegabung geschaffen, die auch künftig einen wichtigen Eckpfeiler in der Beratung und Fortbildung darstellen soll.
Auch die Internatsschule Schloss Hansenberg mit herausragenden Lernmöglichkeiten für besonders leistungsfähige, leistungswillige und sozial engagierte Schüler geht auf die Initiative der CDU zurück. Durch den Aufbau entsprechender Kapazitäten wollen wir in der kommenden Legislaturperiode die Hochbegabtenförderung und die Förderung leistungsstarker Schüler weiter ausbauen und in ganz Hessen wirkungsvoll und nachhaltig verankern. Die Internatsschule Schloss Hansenberg als Leuchtturm unserer Hochbegabtenförderung im MINT-Bereich sowie in der ökonomischen Bildung soll künftig den Kern eines Netzwerkes mit 20 weiteren Schulen in Hessen bilden, die einen Zweig für Hochbegabtenförderung implementieren. Zudem setzen wir uns für eine Stärkung von Schulsportzentren neben der Carl-von-Weinberg-Schule und der Uplandschule als Eliteschulen des Sports ein.

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Soll auch in Zukunft im Bereich Schule der Einfluss von Ditib bestehen bleiben oder setzen Sie auf andere, eher liberale Kräfte im Islam?

Tatsächlich sind Zweifel an der fehlenden Unabhängigkeit von Ditib nicht unbegründet. Der amtierende Kultusminister hat der Organisation eine Frist bis Ende 2018 gesetzt, um ihre Unabhängigkeit vom türkischen Staat zu belegen. Am Ende dieser Frist muss das Verhältnis zu Ditib bewertet und gegebenenfalls neu justiert werden.

Wie wollen Sie dem Lehrermangel an Hessens Berufsschulen begegnen?

Der aktuell in den Berufsschulen (sowie den Grundschulen und den Förderschulen) spürbare Mangel an Lehrkräften ist ein Vorbote auf das, was allen anderen Schulformen in den kommenden Jahren bevorsteht. Es rächt sich, dass die CDU-geführte Landesregierung die Lehrerausbildung vernachlässigt hat. Wir wollen da eine Trendwende, die aufgrund der Ausbildungsdauer leider erst mittelfristig wirken kann. Bis dahin müssen die Lücken, die durch die verfehlte Planung der letzten Jahre entstanden sind, mit Quereinsteigern aufgefüllt werden. Diese müssen allerdings besser und intensiver auf ihre Arbeit an den Schulen vorbereitet werden als bisher. Hierzu müssen die Qualifikationsangeboten an den Studienseminaren verbessert und vertieft werden. Insbesondere der pädagogischen Qualifikation muss dabei mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an Hessens Schulen und wie wollen Sie ihnen begegnen?

Das Hauptproblem ist fehlende Chancengleichheit. Bildungserfolg hängt zu stark vom Elternhaus ab. Der Ausbau von Ganztagsschulen und eine gebührenfreie Bildung von der Kita bis zum Meisterbrief oder Masterabschluss und ein durchlässiges Bildungssystem sind wichtige Vorhaben, um das zu ändern. Der Mangel an gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern wird sich weiter verschärfen. Dieses Problem kann nur gelöst werden, indem wieder mehr junge Menschen den Beruf des Lehrers attraktiv finden und ein entsprechendes Studium aufnehmen. Ein zweiter Komplex, dem die aktuelle Landesregierung zu wenig Aufmerksamkeit widmet, ist der bauliche Zustand der Schulen in unserem Land. Hier zeigt sich, dass die kommunalen Schulträger vom Land finanziell zu schlecht ausgestattet wurden, um alle Schulgebäude auf Dauer instand zu halten. Deswegen müssen die Zuwendungen des Landes für Schulsanierungen und Schulneubauten verstetigt werden. Inhaltlich stehen wir für eine bessere Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Teilhabe an unserem demokratischen Gemeinwesen. Wir wollen die politische Bildung an den Schulen stärken und auch den Zugang zur Kultur wieder deutlicher fokussieren. Auch die Digitalisierung muss Teil der Lehrpläne werden, da sie unser ganzes Leben berührt und verändert.

Was bedeuten im Bereich von Schule und Bildung Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit?

Wir stehen für Chancengleichheit- Das bedeutet im konkreten Fall: Keine Gebühren für die Bildung, Lehrmittel- und Lernmittelkostenfreiheit, außerdem Ganztagsschulen mit Zugang zu kostenloser Nachhilfe, zu Sport und zu musischen Angeboten.

Braucht unsere Gesellschaft Eliten – und wenn ja: Wie sollen jene in Hessen gefördert werden?

Alle Kinder haben ein Recht auf bestmögliche Förderung, besonders leistungsstarke Kinder ebenso wie Kinder mit Schwächen- Unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten sind normal. Alle müssen nach ihren Begabungen und Talenten gefördert werden – sowohl die Schnellsten als auch die Langsamsten.

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Soll auch in Zukunft im Bereich Schule Einfluss von Ditib bestehen bleiben oder setzten Sie auf andere, eher liberale Kräfte im Islam?

Hessen hat sich vor einigen Jahren für den Moscheeverband DITIB als Kooperationspartner für den islamischen Religionsunterricht entschieden. Angesichts der Verbindungen von DITIB zur türkischen Religionsbehörde und zur Regierung der Türkei hat die Landesregierung DITIB bis Ende 2018 Zeit gegeben, Auflagen zu erfüllen sowie ihre Unabhängigkeit und Verlässlichkeit unter Beweis zu stellen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. Für uns ist klar, dass es auch für den Fall, dass die Zusammenarbeit mit DITIB nicht fortgesetzt werden kann, weiterhin ein Unterrichtsangebot für SchüleInnen muslimischen Glaubens geben soll.

Wie wollen Sie dem Lehrermangel an Hessens Berufsschulen begegnen?

Die grundständige Ausbildung von Berufsschullehrkräften an den Hessischen Universitäten und Studienseminaren hat für uns hohe Priorität. Wir haben daher auch in Zeiten zurückgehender Schülerzahlen in Hessen die Kapazitäten beibehalten. Daneben sind gerade für die Arbeit an beruflichen Schulen QuereinsteigerInnen mit ihren praktischen Berufserfahrungen äußerst willkommen. Daher werden wir GRÜNEN weiter den Einsatz qualifizierter QuereinsteigerInnen an den Berufsschulen fördern. Um ihnen die notwendigen pädagogischen Kompetenzen zu vermitteln, werden wir entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote schaffen. Fachlehrkräften für arbeitstechnische Fächer wollen wir zudem eine Weiterbildung zum Berufschullehrer bzw. zur Berufsschullehrerin ermöglichen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an Hessens Schulen und wie wollen Sie Ihnen begegnen?

Das Ziel unserer Bildungspolitik ist es, gleiche Bildungschancen für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen – unabhängig vom sozialen Status oder dem Einkommen ihrer Eltern. Die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft, der ansteigende Wunsch vieler Eltern nach ganztägig arbeitenden Schulen, die Integration von Kindern und Jugendlichen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und die Realisierung eines inklusiven Bildungsangebotes sind Herausforderungen, für deren Bewältigung unsere Schulen gute Rahmenbedingungen und Unterstützung brauchen.
Wir wollen die besten Schulen an den Orten mit den größten Herausforderungen. Schulen, die aufgrund des sozialen Hintergrunds ihrer Schülerinnen und Schüler oder durch Inklusion und Integration besonders gefordert sind, sollen neben Lehrkräften ein festes Kontingent von Förderschullehrkräften und Sozialpädagoginnen und -pädagogen bekommen. Wir streben für diese Schulen eine Lehrerzuweisung von 110 Prozent an. Außerdem werden wir den Ausbau von Ganztagsschulen weiter vorantreiben. Unser Ziel ist es, den auf Bundesebene geplanten Rechtsanspruch auf Betreuung von Grundschulkindern möglichst schnell in ganz Hessen zu verwirklichen. Durch zusätzliche Landesmittel für Schulsekretariate und Verwaltungskräfte wollen wir Lehrerinnen und Lehrer von bürokratischen Tätigkeiten entlasten und mehr Raum für die pädagogische Arbeit schaffen. Wir wollen den Schulen mehr pädagogische Freiheit geben und Pädagoginnen und Pädagogen an unseren Schulen ermöglichen, freier und flexibler entscheiden zu können, wie sie ihren Unterricht gestalten. Wir wollen außerdem ein drittes, kommunales Investitionsprogramm (KIP III) auflegen. Der Schwerpunkt des Programmes soll auf der Sanierung von Schulbauten, insbesondere der sanitären Anlagen liegen.

Was bedeuten im Bereich von Schule und Bildung Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit?

Nicht jedem Kind sind gute Bildungschancen in die Wiege gelegt. Noch immer sind die Chan-cen eines Kindes auf schulischen Erfolg entscheidend vom sozialen, kulturellen und materiel-len Hintergrund seiner Eltern abhängig. Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen ihre Talente bestmöglich entfalten können – unabhängig vom Geldbeutel, dem Bildungsstand o-der der Herkunft ihrer Eltern. Damit Menschen gut lernen, brauchen sie Schulen, die ihre Neugier wecken, sie bestätigen, in ihren Fähigkeiten stärken und ihnen ein unterstützendes Lernumfeld bieten.

Braucht unsere Gesellschaft Eliten – und wenn ja: Wie sollen jene in Hessen gefördert werden?

Sogenannte „Eliten“ werden in der Soziologie anhand sehr unterschiedlicher Merkmale wie Macht, Geld oder Bildungsgrad definiert. Es ist typisch für die meisten Gesellschaften, dass es Eliten in irgendeiner Form gibt. Die Frage sollte also eher lauten, wie man damit umgeht. Grundsätzlich stehen wir GRÜNE für Breiten-, statt Elitenförderung. Im Bildungsbereich bedeutet das beispielsweise, dass wir auf Chancengleichheit setzen: Wir legen den Schwer-punkt auf die individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler. Wir begreifen die Heterogenität von Kindern und Jugendlichen als Chance. Wir sind der Überzeugung, dass kein Kind im Bildungssystem zurückgelassen werden darf. Aus diesem Grund setzen wir uns dafür ein, dass die Förderung aller Kinder in den Mittelpunkt der Arbeit von Kindergärten und Schulen gestellt wird. Kinder brauchen gute Bildung von Anfang an, denn in der frühen Kindheit werden die Grundlagen für alles spätere Lernen gelegt. Die Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher und die Unterstützung Leistungsstarker schließen sich nicht aus – im Gegenteil: individuelle Förderung ist für alle der Schlüssel für eine bestmögliche Unterstützung.

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Wie wollen Sie dem Lehrermangel an Hessens Berufsschulen begegnen?

Vorab: Der Lehrermangel trifft leider nicht nur die Berufsschulen. Insbesondere die Grund und Förderschulen sind ebenfalls davon betroffen. Dennoch muss die personelle Versorgung der Berufsschulen spürbar aufgestockt werden. Zunächst müssen mehr Berufsschullehrer/innen ausgebildet werden. Die Aufnahmekapazitäten der Hochschulen sind zu gering. An den Berufsschulen gilt es, bessere Rahmenbedingungen für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Berufschullehrer/innen, die als Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger eingestellt werden, brauchen eine solide pädagogische Ausbildung, die sie auch auf Herausforderungen wie die Inklusion und die Integration von jungen Menschen vorbereiten.
Berufsförderungsmaßnahmen müssen sinnvoll gestaltet werden – eine Novellierung ist hier dringend nötig: Individuelle Förderung und die Möglichkeit, die Schulzeit zu verlängern um einen Abschluss zu erreichen, sollten grundlegende Ziele von Berufsförderungsmaßnahmen sein. Es reicht nicht aus, betroffene Jugendliche aus der Arbeitslosenstatistik herauszuhalten. Wichtig ist es, zu einer wirklichen Weiterqualifizierung bzw. Vermittlung in Praktika und Ausbildung zu kommen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an Hessens Schulen und wie wollen Sie ihnen begegnen?

Die Probleme finden sich auf allen Ebenen und sind sehr vielschichtig, beginnend mit dem mehrgliedrigen Schulsystem, das den Zusammenhang zwischen Bildungswegen und sozialer und finanzieller Herkunft zementiert bis hin zur ungerechten Bezahlung von Grundschullehrkräften, die weitaus weniger verdienen als ihre Kolleginnen und Kollegen an den anderen Schulformen.
Hinzu kommt der jahrzehntelang Sanierungsstau der Schulgebäude und Sportstätten sowie die immense Zusatzbelastung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulleitungen. In Hessen sind in den letzten Jahren tausende Belastungsanzeigen von Lehrkräften an den Kultusminister Alexander Lorz (CDU) herangetragen worden, die dieser alle gleichermaßen ignoriert. Dabei setzen sich mittlerweile bundesweit Studien mit der Gesundheitsbelastung und den daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen von an Schulen Beschäftigten auseinander, die allesamt allarmierend sind.
DIE LINKE will, dass dies ein Ende nimmt. Lehrkräfte müssen gleich bezahlt werden – egal, an welcher Schulform sie unterrichten. Zudem müssen die Belastungsanzeigen endlich ernst genommen werden; zusätzliche Aufgaben wie Inklusion, Ganztag und Integration benötigen zusätzliche Ressourcen.
Grundsätzlich aber fordert DIE LINKE eine Schule, in der alle Kinder gemeinsam von der ersten bis zur zehnten Klasse lernen, ohne nach vier Schuljahren auf verschiedene Schultypen aussortiert zu werden. Diese Schulen arbeiten inklusiv und mit Doppelbesetzungen, und – was vielleicht das Wichtigste ist – sie orientieren sich am Wohl der Kinder und Jugendlichen, berücksichtigten deren Fähigkeiten und Schwierigkeiten und fördern somit individuell.

Was bedeuten im Bereich von Schule und Bildung Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit?

In Deutschland (und auch in Hessen) ist steht der Bildungsweg im engen Zusammenhang mit der sozialen und finanziellen Herkunft. Das mehrgliedrige Schulsystem stärkt diesen Zusammenhang – und trotzdem wird starr daran festgehalten. Ebenso an der frühen Selektion von Kindern nach der vierten Klasse, obwohl selbst der hessische Grundschulverband mahnt, dass zu diesem Zeitpunkt eine fundierte Bildungsprognose überhaupt nicht möglich sei.
Das Märchen der Durchlässigkeit ist auch leicht durchschaubar: Durchlässigkeit existiert zwar, auch in Hessen, doch leider nur in eine Richtung: Auf einen Aufstieg von einer „niedrigeren“ auf eine „höhere“ Schulform kommen mittlerweile mehr als acht Abstiege in die entgegengesetzte Richtung.
Längeres gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse wirkt dem entgegen. Zudem ist der Ausbau echter Ganztagsschulen dringend notwendig; nur rund 1 Prozent aller hessischen Grundschulen sind wirkliche Ganztagsschulen. Es ist eine dreiste Irreführung des Kultusministeriums, drei Mal wöchentlich betreutes Mittagsessen als Ganztagsschule zu verkaufen.

Braucht unsere Gesellschaft Eliten – und wenn ja: Wie sollen jene in Hessen gefördert werden?

Gerald Hutner hat ein wunderbares Buch mit dem Titel geschrieben: „Jedes Kind ist hochbegabt“.
Förderung ist ein ganz zentraler Punkt, doch jeder Mensch, jede Schülerin und jeder Schüler verdient es, individuell nach seinen Fähigkeiten und Interessen gefördert zu werden. Dieses Selbstverständnis muss endlich Eingang in die schulische Bildung finden. Brauchen wir Eliten? Jede Gesellschaft braucht Elektriker, Lehrkräfte, Bäckerinnen und Bäcker, Ärztinnen und Ärzte, Bademeisterinnen und Bademeister, , Büroangestellte usw. Und jede dieser Tätigkeiten sind sicher umso besser ausgeübt, je besser die Menschen darin ausgebildet und gefördert worden sind.

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Soll auch in Zukunft im Bereich Schule der Einfluss von Ditib bestehen bleiben oder setzen Sie auf andere, eher liberale Kräfte im Islam?

Wir Freien Demokraten unterstützen die Fortführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts, der in Kooperation mit dem DİTİB Landesverband Hessen und Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e.V. realisiert wird. Für uns ist dabei von zentraler Bedeutung, dass es sich bei diesem Unterrichtsfach um ein ordentliches Lehrfach in staatlicher Verantwortung handelt. Dies bedeutet, dass er nach staatlichen Curricula, in deutscher Sprache und grundsätzlich durch staatliche Lehrkräfte erteilt wird und der staatlichen Schulaufsicht unterliegt. Aus diesem Grund sehen wir die Entwicklung von Ditib auch sehr kritisch und setzen uns dafür ein, dass unangekündigte Unterrichtsbesuche durchgeführt werden und die Unabhängigkeit der Lehrkräfte umfassend gewährleistet ist. Einflussmöglichkeiten von Dritten müssen ausgeschlossen sein. Deshalb muss die Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer weiter dem Land obliegen. Nur wenn all diese Voraussetzung erfüllt sind, kann der Unterricht in bisheriger Weise erteilt werden. Andernfalls müssen Konsequenzen gezogen und die Kooperation beendet werden, um die Schülerinnen und Schüler vor unerwünschten Einflüssen zu schützen.

Wie wollen Sie dem Lehrermangel an Hessens Berufsschulen begegnen?

Zunächst einmal ist es nach Auffassung der Freien Demokraten dringend erforderlich, dass dem Lehrermangel mit einer laufend aktualisierten Lehrerbedarfsplanung begegnet wird, um jungen Menschen so eine verlässlichere Orientierung für ihre Berufswahl zu bieten. Nur auf der Grundlage einer verlässlichen Planung können die notwendigen Kapazitäten von Studienplätzen und Stellen im Vorbereitungsdienst bemessen werden. Dies ist die Voraussetzung für eine vorausschauende Ausbildungs- und Einstellungspolitik, die sich an den tatsächlichen Bedarfen orientiert.
Wir Freie Demokraten sind der Überzeugung, dass der Lehrerberuf mit Sicherheit zu den herausforderndsten und auch verantwortungsvollsten Berufen zählt, denn es geht um nicht weniger als um die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen. Ziel muss es sein, für alle diese beste Bildung zu verwirklichen. Deshalb muss die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer gesellschaftliche, mediale aber auch politische Anerkennung erfahren. Darüber hinaus müssen vor allem die Arbeitsbedingungen stimmen. Dazu gehört, dass neben einer angemessenen Besoldung ausreichend Lehrkräfte vorhanden sind, dass die Aus- und Weiterbildung auf exzellentem Niveau erfolgt und dass die Lehrkräfte Unterstützung in ihrer Arbeit erfahren. Die schwarz-grüne Regierung hat in den letzten Jahren Realitätsverweigerung betrieben und die Sorgen und Nöte der Lehrerinnen und Lehrer ignoriert. Dies ist nach Ansicht von uns Freien Demokraten nicht mit der Fürsorgepflicht des Dienstherrn zu vereinbaren und der falsche Weg, um die Arbeit anzuerkennen und Menschen für den Beruf zukünftig zu begeistern und zu motivieren. Vielmehr ist es notwendig, die Rahmenbedingungen zu verbessern, denn nur mit einem gezielten Maßnahmenkonzept kann es gelingen, die Attraktivität des Lehrerberufs wieder zu steigern. Verstärkte frühzeitige Praxiserfahrungen und vor allem auch die Durchlässigkeit sowie die Möglichkeiten des Quereinstiegs können dazu beitragen, dass Berufswege verändert werden. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass der Lehrerberuf von den Besten der Besten gewählt und ausgeübt wird, und zwar unabhängig davon, welches Geschlecht er oder sie hat. Gerade in den beruflichen Schulen muss außerdem die Zusammenarbeit mit externen Partnern gelingen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an Hessens Schulen und wie wollen Sie ihnen begegnen?

Wir benötigen genug und gutqualifizierte Lehrkräfte in unseren Schulen, die sich dem Kerngeschäft Bildung und Erziehung widmen können. Nur so kann individuelle Förderung und beste Bildung gelingen. Eine moderne Schule kann es sich nicht leisten, wertvolle Zeit für Bürokratiemonster zu verschwenden. Die rasant angewachsene Menge an Dokumentationspflichten und Verwaltungsvorschriften, die das Kerngeschäft der Lehrkräfte unnötig einschränken, muss umfassend eingedämmt werden. Wir sind der Überzeugung, dass die Aufgaben und Belastungen grundlegend auf den Prüfstand gehören, um der zunehmenden Bürokratisierung und Kontrollwut der Kultusverwaltung Einhalt zu gebieten. Schulverwaltungsangestellte sollen zusätzlich für Entlastung sorgen.
Wir setzen uns aber auch zukünftig dafür ein, dass Schulen in Freiheit und Verantwortung die Unterrichtsgestaltung und die Organisation des Schulbetriebs so gestalten können, wie es den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler entspricht und zum sozialen Umfeld der Schule passt. Sie sollen ihr eigenes Profil entwickeln und sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Die neuen Freiheiten ermöglichen die Ausweitung und Verbesserung der Angebote zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler und die Entwicklung von Schulcurricula, die sich am Schulprofil orientieren. Eigenverantwortung möchten wir den Schulen auch bei der Ausgestaltung der Stundentafel zugestehen. Wir wollen, dass die Entscheidungen über die Verwendung der finanziellen Mittel sowie die Personalhoheit den Schulen übertragen werden. Die finanzielle Ausstattung jeder Schule soll sich auch in Zukunft an der Anzahl der Schülerinnen und Schüler orientieren, gleich ob es sich um eine staatliche Schule oder private Ersatzschule handelt. Besondere Bedarfe sollen durch Sonderzuweisungen etwa im Rahmen des Sozialindexes, für selbstständige Schulen, Flüchtlingsbeschulung usw. abgedeckt werden.
In den Schulen haben sich durch die zunehmende Heterogenität, die Realisierung der Inklusion und den Ausbau der Ganztagsangebote die Aufgaben gewandelt. Das Lernen von Fakten und die Entwicklung von Kompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit und Leistungsbereitschaft sind daher nur noch ein Teil der schulischen Arbeit. Vor diesem Hintergrund brauchen wir multiprofessionelle Teams an unseren Schulen, die einander unterstützen.
Die Umsetzung von Inklusion ist nach wie vor eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert größte Kraftanstrengung. Wir setzen uns dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an der Regelschule unterrichtet werden. Wahlfreiheit gilt aber auch für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedarfen. Förderschulen sollen erhalten bleiben für Schüler, deren Eltern der Überzeugung sind, dass ihrem Kind dort die bestmögliche Förderung zuteilwird. Die flächendeckende Sicherung von Förderschulen und die Verbesserung der inklusiven Qualität an Regelschulen bilden zwei Seiten einer Medaille und müssen bei der Ressourcenverteilung auch entsprechend berücksichtigt werden. Die Durchlässigkeit zwischen Förderschulen und Regelschulen ist zentral, um eine möglichst gute individuelle Förderung zu ermöglichen. Für uns ist ebenfalls wichtig die Öffnung der Förderschulen für Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf. Alle Schulen sollen im Sinne der individuellen Förderung auch in die Schullandschaft ihrer Umgebung eingebettet und eingebunden sein. Mit uns wird es keine weitere Schwächung von Förderschulen und keine aufgezwungene Inklusion geben, aber wir wollen Schritt für Schritt den Weg zu individuellem Erfolg auch für besonders zu fördernde Schüler öffnen – sowohl in Regel- als auch in Förderschulen. Dafür müssen wir die notwendigen sächlichen, räumlichen und personellen Ressourcen zur Verfügung stellen. Eine Umsetzung mit der Brechstange geht zu Lasten von allen Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften und leistet der Inklusion und den Kindern einen Bärendienst.

Was bedeuten im Bereich von Schule und Bildung Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit?

Chancengerechtigkeit an Schulen bedeutet für uns die passgenaue Förderung vom sonderpädagogischen Förderbedarf bis hin zur Hochbegabung. Jedes Kind muss von Beginn an beste Startchancen haben, so dass es unabhängig von seiner Herkunft und seinen persönlichen Voraussetzungen sein Recht auf bestmögliche Bildung verwirklichen kann. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn ist eine optimale und individuelle Förderung jedes Einzelnen, die diese Gegebenheiten aufnimmt und sich am Kind oder Jugendlichen orientiert. Es muss deshalb gelingen, dass sich die Bildungspolitik ausschließlich an den Bedürfnissen und Talenten jedes einzelnen Kindes orientiert und dieses individuell gefördert wird.

Braucht unsere Gesellschaft Eliten- und wenn ja: Wie sollen jene in Hessen gefördert werden?

Ja, weil wir den Begriff nicht negativ sehen, sondern als Wahrnehmung von Chancen durch den Einzelnen oder die Einzelne. Wir Freie Demokraten setzen uns ausdrücklich für eine Stärkung der Bildung ein, die sich auch an den Menschen mit besonderen Talenten und Fähigkeiten orientiert und diese hebt. Aber wie bereits ausgeführt soll nach unserem Verständnis jedes Kind in unseren Schulen, aber auch schon in den Kindertagesstätten und später im Bereich der beruflichen Bildung, Hochschulen und Forschungseinrichtungen bestmöglich gefördert werden, so dass die individuellen Begabungen und Fähigkeiten gefördert, aber auch Herausforderungen berücksichtigt werden.
Wir sehen die Notwendigkeit, dass die hochbegabten Schülerinnen und Schüler mit ihren besonderen Bedürfnissen wieder verstärkt in den Blick genommen werden. Sie haben das Recht auf ein umfassendes pädagogisches Angebot, das sie gemäß ihren Fähigkeiten fördert und in der Erschließung ihres intellektuellen Potenzials unterstützt. Die Nichterkennung einer Hochbegabung darf nicht zum Scheitern einer Schullaufbahn führen. Hier ist eine frühzeitige Diagnose eine unverzichtbare Voraussetzung. Wir wollen, dass ein abgestimmtes Konzept auf den Säulen Beratung, frühzeitiger Begleitung und individueller Unterstützung basiert. Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, dass im Rahmen der Aus- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte das diagnostische Handwerkszeug verstärkt vermittelt werden muss, um die Hochbegabung festzustellen, den Einzelnen in eine Förderstrategie einzubeziehen und zu unterstützen. Die dauerhafte Verankerung der Thematik in den Modulen der ersten Phase der Lehrerbildung muss gewährleistet sein.

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Soll auch in Zukunft im Bereich Schule der Einfluss von Ditib bestehen bleiben oder setzen Sie auf andere, eher liberale Kräfte im Islam?

Die AfD fordert, den Einfluss von Ditib mit sofortiger Wirkung durch Nichtverlängerung der Unterrichtsgenehmigung durch den hessischen Kultusminister zu beenden. Es existieren auch keine „liberalen“ Kräfte im Islam, daher wird die AfD auch hier keine wie immer geartete Annäherung versuchen.

Wie wollen Sie dem Lehrermangel an Hessens Berufsschulen begegnen?

Es nutzt keinesfalls – wie etwa in Berlin bereits üblich – Quereinsteiger nach einem einwöchigen Kurs als „Berufsschullehrer“ einzustellen, weil ihnen jegliche pädagogische Ausbildung und meist auch ein zweites Unterrichtsfach fehlt. Mit Quereinsteigern kommen unter Umständen beruflich Gescheiterte in eine Beamtenlaufbahn. Diese Versorgungsmentalität muss verhindert werden. Was wir übrigens an allen Schulen benötigen, das sind hochqualifiziert ausgebildete Lehrer, die auch mindestens gut bestandene Lehramtsprüfungen vorlegen können. In dieser Richtung ist zu erwarten, dass der Lehrerberuf, auch an den Berufsschulen, qualitativ hochwertig und attraktiv sein wird. Insgesamt müssen für die Bildung mehr Investitionen erfolgen. Lehrerstellen dürfen sich nicht nach Relationen mit Klassengrößen messen lassen, es müssen insgesamt mehr Einstellungen vorgenommen werden, aber mit der Prämisse: Qualität geht vor Quantität.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an Hessens Schulen und wie wollen Sie ihnen begegnen?

Seit Jahrzehnten gibt es in der hessischen Bildungspolitik gravierende Fehlentwicklungen. Im Kern geht es um eine permanente Leistungsabsenkung von der Grundschule bis zum Abitur. Die Gesamtschulen und eine seit Jahren betriebene Wohlfühlpädagogik, die die dringend notwendige Vermittlung von Wissen und Kenntnissen, sind Ursache dieser katastrophalen Entwicklung. Sie wird durch anhaltende und sich weiter verschärfende Missstände dokumentiert: unsere Schüler können weder richtig lesen, schreiben, noch rechnen. Dieser Entwicklung kann nur erfolgreich begegnet werden, wenn „Kompetenzorientierungen im Unterricht“ abgeschafft werden zugunsten von Lehrplänen, die konkret Wissen und Kenntnisse, also in ihrem Wesen eine klassische Bildungspolitik betreiben, einfordern. Wenn die hessischen Schulen besser werden sollen, dann hilft es nur, die Leistungsstandards dringlich anzuheben, lasche Versetzungsbestimmungen zu revidieren und auf eine qualifizierte Lehrerausbildung zu achten. Es werden zu viele nicht Qualifizierte in den hessischen Schuldienst eingestellt. Eine weitere Forderung ist, dass die im Beruf befindlichen Lehrer eine Fortbildungspflicht haben, so dass es nicht geschehen kann, dass Lehrer nach ihrer Verbeamtung auf Lebenszeit keinerlei Fortbildungen besuchen müssen.

Was bedeuten im Bereich von Schule und Bildung Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit?

Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit sind linkspopulistische und gleichermaßen leere Worthülsen. Menschen sind von Geburt an mit unterschiedlichen Begabungen, Neigungen und Interessen ausgestattet. Ein differenziertes Schulsystem, wie es das in Hessen nach dem politischen Willen von links-grün-schwarz (inklusive der Zerstörung des Gymnasiums und der Förderschulen) in naher Zukunft nicht mehr geben soll, ist der Anker für Chancen für alle Schüler, weil sie nur in differenzierten Schulsystemen individuelle Förderung erfahren. In differenzierten Schulsystemen, keineswegs in Einheitsschulen, werden alle Schüler am besten hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, Neigungen und Interessen gefördert und – das darf nicht unerwähnt bleiben – auch gefordert. In Einheitsschulen ohne differenzierten Unterricht geschieht nur eines: weitere Absenkung von Leistungsstandards, die Gleichmacherei findet hier ihren Ort, dieser sollte jedoch tunlichst für eine leistungsorientierte Gesellschaft wie die unsere gemieden werden und keinesfalls politisch gefördert werden.

Braucht unsere Gesellschaft Eliten – und wenn ja: Wie sollen jene in Hessen gefördert werden?

Selbstverständlich benötigt jede erfolgreiche Gesellschaft Eliten, und zwar in allen nur denkbaren Bereichen. Eliten sind unverzichtbare Impulsgeber, ob in der Wissenschaft, der Wirtschaft oder der Kultur (Kunst, Musik etc.). Nicht umsonst gibt es besondere Bildungseinrichtungen, wenn auch spärliche, die besonders Begabte entsprechend fördern. Leider werden besonders Begabte in unserem Schulsystem oftmals vernachlässigt, weil man sich – politisch gewollt – am Durchschnitt orientiert. Das kann und darf allerdings keine Vision für ein zukunftsfähiges Land wie Deutschland sein, dessen einzige Ressource Bildung an sich ist (man denke nur an deutsche erfolgreiche Ingenieure oder Wissenschaftler). Es gilt also, frühzeitig zu erkennen, wo besonders Begabte besonders gefördert werden können. Das kann durchaus in Regelschulen stattfinden, etwa in einer besonderen Klasse, auch mit besonderen Lehrern, auch Hochschulprofessoren. Für diese Schüler müssen auch differenzierte Lehrpläne und Bildungsangebote gemacht werden. Finanzielle Investitionen über den üblichen Rahmen müssen dabei vorgesehen sein. Eine politische Umsetzung muss daher Abstand nehmen von linksgrünen Vorstellungen von Einheitsschulen. Hessen könnte durchaus in verschiedenen Regionen Schulen für besonders Begabte einrichten. Das wäre ein Erfolgsrezept.