Landtagswahl Hessen

am 28. Oktober 2018

Wirtschaft / Arbeitsmarkt / Soziales

Unsere FragenCDUSPDBündnis 90 / Die GrünenDie LinkeFDPAfD
Zum Themenfeld Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Soziales haben wir den zur Wahl stehenden Parteien folgende Fragen gestellt:

Die Arbeitslosenzahlen in Hessen sind aktuell sehr niedrig. Gleichzeitig wächst die Sorge, noch genügend Fachkräfte auf dem Markt zu finden. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Können zur Lösung dieser Frage nach Hessen kommende Migranten einen relevanten Beitrag leisten?

Laut Hessischer Regionaldirektion der Arbeitsagentur sind fast 60 Prozent aller Arbeitslosen in Hessen ohne Berufsausbildung. Tendenz steigend. Können diese Menschen überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert werden – und wenn ja: Wie?

In den nebenstehenden Reitern können Sie die Antworten der jeweiligen Parteien auf diese Fragen vergleichen.

Anmerkung der Redaktion
Die Antworten der Parteien sind hier im Original wiedergegeben. Die Ausführungen wurden nicht gekürzt oder anderweitig redaktionell bearbeitet. Für die Inhalte sind die entsprechenden Parteien verantwortlich.

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Die Arbeitslosenzahlen in Hessen sind aktuell sehr niedrig. Gleichzeitig wächst die Sorge, noch genügend Fachkräfte auf dem Markt zu finden. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Die demographische Entwicklung wird unsere Gesellschaft zunächst noch unmerklich, in einigen Jahren aber deutlich sichtbar verändern. Die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft hängt von unseren Antworten ab.
Laut einer Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit aus dem Dezember 2017 gibt es in Deutschland keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Engpässe bestehen jedoch sehr wohl in einzelnen technischen Berufen, in Bauberufen sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen. Ein zunehmender Mangel ist an akademischen und nicht-akademischen Fachkräften festzustellen.
Zum Juni 2017 betrug der Anteil der sog. „Engpassberufe“ an den gemeldeten offenen Stellen laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IWD) in Hessen 69 Prozent und lag damit im Mittelfeld der Länder. In diesen „Engpassberufen“ kommen weniger als zwei registrierte Arbeitslose auf eine gemeldete offene Stelle.
Wir haben bereits vor einigen Jahren diese Probleme in den Blick genommen, zunächst mit der Arbeit der 2011 einberufenen Fachkräftekommission, die ein Jahr später ihren Bericht vorlegen konnte. Als Handlungsfelder wurden unter anderem die Optimierung des Überganges von der Schule in den Beruf sowie die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie identifiziert. Das 2013 vorgestellte
„Gesamtkonzept Fachkräftesicherung“ mit einem Katalog von rund 150 Maßnahmen und über 23 Akteuren in drei strategischen Handlungsfeldern ist weiterhin das Kernstück der Strategie der CDU- geführten Landesregierung zur Sicherung des Fachkräfteangebotes: Sie umfasst nicht nur den Bereich „Ausbildung und Weiterbildung“, sondern auch die Gestaltung von Zuwanderung und Integration.
Seit 2014 existiert eine Stabstelle im Sozialministerium, die sich mit der Frage befasst: Wie können wir den Fachkräftebedarf der hessischen Wirtschaft, aber auch im Gesundheitsbereich oder der Öffentlichen Verwaltung, auch in Zukunft decken? Eckpunkte ihrer Arbeit sind die Empfehlungen und Zielsetzungen, welche die Fachkräftekommission für Hessen erarbeitet hat. Die Stabsstelle koordiniert die Aufgaben, fungiert als zentrale Anlaufstelle in Fragen der Fachkräftesicherung, wirkt als Impulsgeber und unterstützt den Fachkräftedialog und die Vernetzung in Hessen.
Mit Blick auf den bereits durch die Fachkräftekommission als Handlungsfeld identifizierten Bereich „Ergänzung des inländischen Potentials durch ausländische Fachkräfte“ setzen wir uns schließlich für ein Fachkräftezuwanderungsgesetz ein, um besser noch als bisher Fachkräfte für die Branchen anwerben zu können, in denen ein erhöhter Bedarf festgestellt werden konnte.

Können zur Lösung dieser Frage nach Hessen kommende Migranten einen relevanten Beitrag leisten?

Auch wenn ihre Integration häufig ein sehr anspruchsvoller Prozess ist, stellen Flüchtlinge ein Arbeits- und Fachkräftepotential dar. Die Mehrheit der Flüchtlinge hat keine formale berufliche Qualifikation. Der Weg zum Gesellen oder Facharbeiter dürfte daher in vielen Fällen mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Da Kenntnisse der deutschen Sprache von essentieller Bedeutung für die Integration in die Arbeitswelt sind, steht Sprachförderung daher an oberster Stelle aller Aktivitäten. Hessen ist schon heute Pionierland konkreter Integrationsmaßnahmen in den verschiedensten Feldern. Die Palette reicht von Integrationslotsen über spezifische Angebote an Mädchen und Frauen bis zur Förderung von gemeinnützigen Migranteninstitutionen. Die Chancen für eine gelungene Integration steigen, wenn wir langfristig die richtigen Weichen stellen, insbesondere in der Arbeitsmarktpolitik. Sie ist neben der Sprache und der Anerkennung unserer Rechts- und Werteordnung der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration und individuelle Zukunftsperspektiven. Das Engagement der CDU-geführten Landesregierung hat hierfür eine tragfähige Grundlage geschaffen. Klar ist aber auch, dass sich hieraus nicht automatisch ein Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfes ergeben kann.
Im Mai 2018 waren 15.380 Menschen mit einem Fluchthintergrund arbeitslos gemeldet. Der Großteil, 14.506 Menschen, sind dem Bereich der Grundsicherung zugeordnet und werden von den hessischen Jobcentern betreut. Der Anteil von Menschen mit Fluchthintergrund an der Gesamtzahl der Arbeitslosen lag bei 10 Prozent.
Der schon im Februar 2016 von der Initiative „Gemeinsam aktiv für die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt – Perspektiven für Menschen, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Hessen“ im Rahmen des Asylkonventes der Landesregierung vorgestellte Maßnahmenkatalog erleichtert den Zugang zum Arbeitsmarkt und verbessert die Rahmenbedingungen für den Erwerb von Schlüsselqualifikationen, wie zum Beispiel der deutschen Sprache. Zweck ist es, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen hessischen Partnern in diesem Kernsegment der Fachkräftesicherung zu koordinieren und die unterschiedlichen Aktivitäten aufeinander abzustimmen.
Als erstes Land hat Hessen mit dem Programm „Wirtschaft integriert“ zudem eine nahtlose Förderkette für den Spracherwerb von der Berufsorientierung bis zum Ausbildungsabschluss aufgebaut: In jeder Phase erhalten die Teilnehmer berufsbezogene Sprachförderung. Zielgruppe sind Frauen und Männer unter 27 Jahren, die nur Grundkenntnisse in Deutsch haben und deshalb eine Ausbildung nicht ohne Hilfe bewältigen. Davon profitieren also nicht nur Geflüchtete, sondern auch diejenigen, die schon länger hier leben. Erste Zahlen zeigen, dass sich das Programm einer sehr guten Nachfrage erfreut und außerdem überdurchschnittlich häufig in eine Einstiegsqualifizierung bzw. in eine Ausbildung mündet.
Die CDU-geführte Landesregierung hat vor diesem Hintergrund die Mittel für die berufliche Orientierung und Qualifizierung jugendlicher Flüchtlinge aufgestockt: Für das Programm „Wirtschaft integriert“ hat das hessische Wirtschaftsministerium allein in den Jahren 2016 und 2017 zusätzlich elf Millionen Euro eingestellt. Auf die Zunahme der Absolventen der Sprachfördermaßnahme „Integration durch Anschluss und Abschluss (InteA)“ wurde ab 2018 mit einer Platzausweitung auf jeweils 1.750 Plätze in den Haushaltsjahren 2018 und 2019 eingegangen. Die Mittel für dieses erfolgreiche Programm werden damit nicht nur verstetigt, sondern noch ausgeweitet. Diesen erfolgreichen Kurs werden wir fortsetzen.

Laut Hessischer Regionaldirektion der Arbeitsagentur sind fast 60 % aller Arbeitslosen in Hessen ohne Berufsausbildung. Tendenz steigend. Können diese Menschen überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert werden – und wenn ja: Wie?

Die (schrittweise) Anhebung des beruflichen Qualifizierungsniveaus bei Menschen ohne Berufsausbildung hat für uns hohe Priorität. Dies geschieht durch Beratung, Coaching, Ausbildung und Qualifizierung. Für die Zielgruppe der Langzeitarbeitslosen trifft die CDU-geführte Landesregierung daher mit den Landkreisen/Kommunen jährliche Zielvereinbarungen zur Umsetzung regionaler Arbeitsmarktförderung, die mit regionalisierten Arbeitsmarkt- und Ausbildungsbudgets hinterlegt werden. Auf diese Weise werden die Regionen/Jobcenter in die Lage versetzt, ein breites Bündel an Qualifizierungsmaßnahmen, die an die individuelle Situation der Langzeitarbeitslosen angepasst sind und letztlich zu einem anerkannten Berufsabschluss führen sollen, zu realisieren.
Um Langzeitarbeitslosen wieder eine Perspektive eröffnen zu können, hat das Ministerium für Soziales und Integration zudem 2015 das Förderinstrument „Kompetenzen entwickeln – Perspektiven eröffnen (KoPe)“ ins Leben gerufen. Mit den bis Ende 2019 zur Verfügung stehenden Landesmitteln in Höhe von zehn Millionen Euro wurden in zwei Förderrunden hessenweit 17 Projekte von Beschäftigungsträgern und Jobcentern bewilligt.
Im Rahmen dieser Projekte gelingt es, Menschen nach einer langen Zeit der Arbeitslosigkeit wieder eine Perspektive zu eröffnen, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu steigern sowie sie in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu integrieren und ihnen eine Chance auf soziale Teilhabe zu ermöglichen.
Mit dem 2015 begonnenen Programm „ProAbschluss“ im Rahmen des „Bündnisses Ausbildung Hessen“ war Hessen zudem das erste Land, das sich engagiert für eine deutliche Verringerung der Zahl von berufstätigen Menschen ohne qualifizierten Berufsabschluss eingesetzt hat. Mit dieser flächendeckenden Initiative für Nachqualifizierung übernimmt Hessen eine Pionierrolle und eröffnet den betroffenen Menschen ein „Plus“ an Arbeitsplatzsicherheit und Zukunftsperspektiven. Die Initiative „ProAbschluss“ des Landes Hessen verhilft Beschäftigten (einschließlich geringfügig Beschäftigten und Praktikanten) ab dem 27. Lebensjahr, die über keinen anerkannten Berufsabschluss verfügen, zu einem externen Berufsabschluss.
Unter dem Dach von „ProAbschluss“ bieten auch berufliche Schulen im Rahmen des Schulversuchs „QualiBack“ an- oder ungelernten Beschäftigten ab dem 27. Lebensjahr die Möglichkeit, sich durch den Besuch des Berufsschulunterrichts auf ihre externe Kammer-Abschlussprüfung vorzubereiten. Zwei berufliche Schulen haben dieses Modell erfolgreich erprobt. Mit dem Schuljahr 2016/2017 wurde der Schulversuch auf weitere berufliche Schulen ausgedehnt.
Wir wollen zudem, dass noch weniger Schüler die Schulen ohne Abschluss verlassen. Erfolgreiche Programme wie „Praxis und Schule“ (PuSch) ermöglichen Schülern mit erheblichen Lern- und Leistungsrückständen an allgemeinbildenden wie auch an beruflichen Schulen ihren Hauptschulabschluss. Derartige Programme werden wir daher weiter ausbauen und flächendeckend anbieten.

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Die Arbeitslosenzahlen in Hessen sind aktuell sehr niedrig. Gleichzeitig wächst die Sorge, noch genügend Fachkräfte auf dem Markt zu finden. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Hessen schneidet nach 19 Jahren CDU-Verantwortung in zahlreichen wirtschaftlichen Kennzahlen leider schlecht ab. Das zeigt das Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom August 2018. Der Fachkräftemangel ist evident. Er hängt vor allem mit fehlenden Impulsen für Qualifizierung und Weiterbildung zusammen. Zusätzlich fehlen Standortanreize wie bezahlbarer Wohnraum. Gegen den Fachkräftemangel wollen wir vor allem die nachholende Bildungsarbeit und die Weiterbildung ausbauen und Zugangshürden im Bildungssystem senken. Dazu gehören die Öffnung der beruflichen Schulen sowie eine kostenfreie Meisterausbildung.

Können zur Lösung dieser Frage nach Hessen kommende Migranten einen relevanten Beitrag leisten?

Ja. Zugewanderte müssen aber gezielt in den Arbeitsmarkt integriert werden. Es braucht dazu Intensivklassen in allen Schulformen. Vorbereitende Sprachkenntnisse müssen schnell vermittelt werden. Die Anerkennung von Abschlüssen aus dem Ausland muss vereinfacht werden. Bei fehlender Vergleichbarkeit braucht es ein Recht auf Nachqualifizierung. Außerdem setzen wir uns für ein Einwanderungsgesetz ein, mit dem wir gezielt um Fachkräfte werben können, die keine Schutzsuchenden sind.

Laut Hessischer Regionaldirektion der Arbeitsagentur sind fast 60 % aller Arbeitslosen in Hessen ohne Berufsausbildung. Tendenz steigend. Können diese Menschen überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert werden – und wenn ja: Wie?

Wir wollen Menschen qualifizieren, die keine Berufsausbildung abgeschlossen haben, und damit deren Chancen am Arbeitsmarkt verbessern. Diese „nachholende Bildung“ und Qualifizierung nehmen in Zukunft an Bedeutung zu. Wir wollen das Recht für den Besuch beruflicher Schulen bis zum 27. Lebensjahr ausweiten. Im ersten Bildungsweg wollen wir, dass kein Schulabgänger ohne Abschluss die Schule verlässt. Dieses Ziel ist mit individueller Förderung auch erreichbar. Für alle Schulabgänger bis 35 Jahren wollen wir eine Garantie für eine berufliche Qualifikation (Ausbildungsgarantie) schaffen. Denn trotz Fachkräftemangels haben viele junge Hessinnen und Hessen mit schlechten Noten keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Diese sollen, wenn sie es wünschen, jede Förderung bekommen, um sie angemessen auf eine Erwerbstätigkeit vorzubereiten.

Bündnis_90_-_Die_Grünen_Logo.svgDie Arbeitslosenzahlen in Hessen sind aktuell sehr niedrig. Gleichzeitig wächst die Sorge, noch genügend Fachkräfte auf dem Markt zu finden. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Es ist gut, dass so viele Menschen wie nie zuvor in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Hierfür haben wir in den letzten Jahren viel getan, damit Menschen ausgebildet werden kön-nen und dadurch gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten: Mit dem Bündnis Ausbildung Hessen haben wir seit 2015 zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung der dualen Ausbildung auf den Weg gebracht. Als Ergebnis davon gab es im Herbst vergangenen Jahres erstmals seit sechs Jahren wieder eine Zunahme der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge.
Gleichzeitig kümmern wir uns um die Aus- und Weiterbildung sowie die Nachqualifizierung der rund 340.000 Menschen, die in hessischen Unternehmen erwerbstätig sind und keine Ausbildung abgeschlossen haben. Mit der Nachqualifizierungsoffensive des Landes können Unternehmen direkt in ihre Mitarbeiter investieren, um ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Hessen ist das erste Bundesland, das flächendeckend Beratungsstrukturen zur Nachqualifi-zierung aufbaut. An dieser Initiative beteiligen sich Wirtschaft, Gewerkschaften und Sozial-partner.
Zusätzlich haben wir als erstes Bundesland den Hochschulzugang mit abgeschlossener Be-rufsausbildung und einem Notendurchschnitt von 2,5 oder besser ermöglicht. Damit haben wir die Durchlässigkeit zwischen Ausbildung und Studium erhöht. Über das Programm „Wirt-schaft integriert“ haben wir bereits mehr als 1.000 Geflüchteten eine Perspektive geschaffen.

Können zur Lösung dieser Frage nach Hessen kommende Migranten einen relevanten Beitrag leisten?

Zuwanderung ist eine Chance für die heimische Wirtschaft. Teilhabe am Arbeitsmarkt ist aus unserer Sicht zudem der Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Es ist eine der wichtigsten Investitionen für die Zukunft, all jene Menschen in die Gesellschaft und in Arbeit zu integrieren die nach Deutschland einwandern oder zu uns geflüchtet sind. ,. Dabei dürfen bisherige Errungenschaften wie beispielsweise der Mindestlohn nicht aufgeweicht werden. Gezielte Weiterbildung und Qualifizierung über Landesprogramme sollen dazu bei-tragen, Migrantinnen und Migranten Perspektiven zu eröffnen und den Fachkräftemangel zu bekämpfen.
Als Land haben wir dazu die Programme „Wirtschaft integriert“ und „Sozialwirtschaft inte-griert“ aufgelegt. Sie sind bundesweit einzigartig und wenden sich in erster Linie an Geflüch-tete bis zum Alter von 27 Jahren, in Ausnahmefällen bis 32 Jahre. In keinem anderen Bundes-
land sind im Verhältnis so viele Ausbildungsverträge mit Geflüchteten geschlossen worden wie in Hessen. Das hat dazu beigetragen, dass 2017 erstmals wieder mehr Ausbildungsver-träge abgeschlossen wurden als im Vorjahr.

Laut Hessischer Regionaldirektion der Arbeitsagentur sind fast 60% aller Arbeitslosen in Hes-sen ohne Berufsausbildung. Tendenz steigend. Können diese Menschen überhaupt in den Ar-beitsmarkt integriert werden – und wenn ja: Wie?

Die Nachqualifizierungsoffensive des Landes beinhaltet auch Maßnahmen für Arbeitssu-chende ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Die landesweite Beratungsstruktur mit Bil-dungscoaches und mobilen Nachqualifizierungsberatungsstellen haben wir ebenfalls im Bündnis Ausbildung Hessen verankert. Dies ist besonders wichtig, denn die fehlende, abge-schlossene Berufsausbildung ist häufig das größte Vermittlungshemmnis in eine neue Be-schäftigung. Unser Ziel ist, dass wir so viele Menschen wie möglich in sozialversicherungs-pflichtige Beschäftigungsverhältnisse bringen. Der Trend zeigt, dass diese Bemühungen Früchte tragen: Im Mai 2018 lag die Arbeitslosenquote in Hessen bei 4,5 Prozent – dem nied-rigsten Wert in einem Mai seit 1981. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im März auf das Rekordniveau von 2,575 Mio. Menschen angestiegen.
Dennoch ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die trotz der guten Beschäftigungslage keinen Weg in den Arbeitsmarkt und damit zu einem eigenen Einkommen finden, weiterhin zu hoch. Wir wollen deshalb den begonnenen Einstieg in den sozialen Arbeitsmarkt ausbauen, durch den auch Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss oder mit individuellen Hilfebedarfen dauerhaft sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze erhalten. So finanzieren wir Arbeit statt Arbeitslosigkeit.

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Die Arbeitslosenzahlen in Hessen sind aktuell sehr niedrig. Gleichzeitig wächst die Sorge, noch genügend Fachkräfte auf dem Markt zu finden. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Der „Fachkräftemangel“ ist in vielen Bereichen ein Mangel an attraktiven Arbeitsbedingungen. Die Berufe in der Pflege, aber beispielsweise auch in den Sozial- und Erziehungsdiensten
leiden unter schlechter Bezahlung, schlechtem Ansehen und schlechten Arbeitszeiten. Das resultiert auch aus Privatisierungen im Gesundheitsbereich, z.B. von Krankenhäusern. Nach
Angaben der Gewerkschaft ver.di fehlen in Hessen über 11.000 Pflegefachkräfte. Um diesen Bedarf zu decken muss in die Ausbildung von Fachpersonal investiert und die Löhne deutlich
erhöht werden, damit die Arbeit im Gesundheits- und Pflegebereich wieder attraktiv wird. In der Privatwirtschaft müssen die Unternehmen mehr Anstrengungen in die Ausbildung setzen, statt vom Arbeitsmarkt fertig ausgebildete Fachkräfte zu verlangen.

Können zur Lösung dieser Frage nach Hessen kommende Migranten einen relevanten Beitrag leisten?

Arbeitsmigrant/innen leisten bereits einen enormen Beitrag in unserem Land, insbesondere in der Pflege. Auch Flüchtlinge können mittelfristig natürlich in Berufen arbeiten, in denen heute ein Bewerbermangel herrscht. Zunächst allerdings muss diesen Menschen eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden, z.B. durch Sprachförderung. Es darf nicht sein, dass Migranten als billige Arbeitskräfte ausgebeutet und als Lohndrücker missbraucht werden. DIE LINKE kämpft daher für die Abschaffung von Niedriglöhnen und Leiharbeit und für gute Arbeitsbedingungen für alle hier lebenden Menschen.

Laut Hessischer Regionaldirektion der Arbeitsagentur sind fast 60 Prozent aller Arbeitslosen in Hessen ohne Berufsausbildung. Tendenz steigend. Können diese Menschen überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert werden – und wenn ja: Wie?

Das Land hat in den letzten Jahren Projekte und Maßnahmen zur beruflichen Qualifikation und Weiterbildung gekürzt – das muss rückgängig gemacht werden. Wir brauchen Unterstützungsmaßnahmen und Angebote, die den Menschen Hoffnung geben, statt immer mehr Druck auf sie auszuüben. Wir wollen außerdem mehr öffentliche geförderte, sozialversicherungspflichtige und tariflich entlohnte Beschäftigungsverhältnisse schaffen, um Langzeiterwerbslosigkeit zu verringern.

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Die Arbeitslosenzahlen in Hessen sind aktuell sehr niedrig. Gleichzeitig wächst die Sorge, noch genügend Fachkräfte auf dem Markt zu finden. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen überhaupt und betrifft die private Wirtschaft genauso wie die öffentliche Hand. Vor allem in den technischen und sozialen Berufen haben wir heute schon einen ausgeprägten Mangel an Personal in Hessen.
Auch wenn wir die größten Anstrengungen unternehmen, den Fachkräftemangel aus eigener Kraft zu decken, wird uns dies nicht gelingen. Die Zahlen sprechen hier für sich.
Aus diesem Grund setzen wir Freie Demokraten auf ein modernes Einwanderungsgesetz, für das wir schon mehr als ein Jahrzehnt werben, denn Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland, auch wenn die CDU/CSU dies nie wahrhaben wollte.
Wir wollen ein Punktesystem einführen, um die Einwanderung am Bedarf unseres Arbeitsmarktes auszurichten und zu steuern. Darüber hinaus wollen wir die bereits bestehende Blue Card für Akademiker aus Nicht-EU-Ländern auch auf Nichtakademiker ausweiten und es Asylbewerbern und Flüchtlingen, die sich bereits in unseren Arbeitsmarkt integriert haben und nicht mit unseren Gesetzen in Konflikt geraten sind, einen „Spurwechsel“ in das System der regulären Einwanderung zu ermöglichen
Zudem wollen wir die Aus- und Weiterbildung stärken und durch bessere Qualität und Angebote in Kitas und Schulen die Möglichkeiten zur Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit verbessern. Bessere Bildung heißt auch weniger Schulabbrecher. Wir brauchen ein modernes Einwanderungsgesetz, um für qualifizierte ausländische Fachkräfte attraktiver zu werden. Auch die schnelle und qualifizierte Integration von Flüchtlingen mit Bleiberechtsperspektive kann einen wichtigen Beitrag leisten dem Fachkräftebedarf in Hessen entgegenzuwirken.

Können zur Lösung dieser Frage nach Hessen kommende Migranten einen relevanten Beitrag leisten?

Die Flüchtlinge, die in Hessen seit drei Jahren ausgebildet werden, befinden sich nach dieser relativ kurzen Zeit bereits zu etwa einem Drittel auf dem Arbeitsmarkt. Dies ist nicht nur einer intensiven Beschulung, sozialen Betreuung und großen Anstrengungen im Bereich der Aus- und Fortbildung zu verdanken, sondern auch dem Engagement der hessischen Unternehmen, die ein großes Interesse daran haben, den Fachkräftemangel, der sie bereits schwer belastet, aufzufangen. Gerade die unter dem Fachkräftemangel besonders leidenden Pflegeberufe profitieren bereits davon, aber auch das Handwerk, das ebenso händeringend nach Fachkräften sucht.

Laut Hessischer Regionaldirektion der Arbeitsagentur sind fast 60 % aller Arbeitslosen in Hessen ohne Berufsausbildung. Tendenz steigend. Können diese Menschen überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert werden – und wenn ja: Wie?

In Hessen brechen etwa 23 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung ab. Davon gehen etwa 50 Prozent anschließend ein neues Ausbildungsverhältnis ein. Die Gründe für einen Abbruch der Ausbildung sind vielfältig und können betrieblich, sozial oder persönlich begründet sein.
Auf Seiten der Auszubildenden werden meist schlechte Ausbildungsbedingungen, ungenügende Ausbildungsqualität, eine falsche Berufswahl, zu schlechte Leistungen in der Berufsschule, private Gründe oder Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen angegeben. Auf Seiten der Betriebe hingegen meist eine mangelnde Leistung, Motivation oder Reife der Auszubildenden.
Auffällig ist, dass die Abbruchquoten abhängig von den Branchen differieren. Im Bankberuf haben wir z.B. Abbrecherquoten von 6 bis 7 Prozent, im Einzelhandel 20 bis 30 Prozent. Allerdings sind in der Gastronomie und im Friseurbereich die Quoten sehr hoch, hier bricht etwa jede(r) zweite Auszubildende die Ausbildung ab. Dies hängt dann oft mit den ungünstigen Arbeitszeiten und mit vielen Überstunden zusammen, denn auch die junge Generation achtet heute auf die sog. Work-Life- Balance und ein passendes Arbeitsklima. Die Höhe der Ausbildungsvergütung kann auch eine Rolle spielen, ist aber in den meisten Fällen nicht entscheidend. Deshalb wird es voraussichtlich nichts an der Problematik ändern, wenn die Ausbildungsvergütung erhöht wird.
Die Zuwanderung junger Menschen aus dem Ausland spielt hier – auch wenn das immer wieder behauptet wird – aufgrund ihrer noch geringen Anzahl in den Ausbildungsbetrieben keine Rolle. Es wird noch mehrere Jahre dauern, bis diese sich in der Statistik wiederfinden.
Aufgrund der Vielschichtigkeit des Problems ist es schwierig, eine Lösung zu finden. Denn sie müsste Branchen übergreifend konzipiert sein und auch überregional funktionieren.
Deshalb wollen wir Freie Demokraten an der Ursache dafür ansetzen, warum Kinder schon Schwierigkeiten beim Schuleintritt, beim Schulerfolg und später in der Ausbildung haben.
Schlechte Ergebnisse in der Berufsschule und/oder in der praktischen Ausbildung, die oft zu einem Ausbildungsabbruch führen, korrelieren meist mit einem schlechten Schulabschluss. Dieser wiederum zeichnet sich bereits sehr früh ab. Deshalb treten wir für eine hohe Qualität in der frühkindlichen Bildung der Kindertagesstätten ein, mit mehr Personal für eine individuelle Betreuung und Förderung der Jüngsten, um ihnen einen guten Start und bessere Entwicklungsmöglichkeiten in der Schule zu ermöglichen, insbesondere dann, wenn sie beispielsweise aus einem bildungsfernen Elternhaus kommen. Darunter verstehen wir Chancengerechtigkeit von Anfang an. Entsprechende Gesetzentwürfe haben wir bereits im Hessischen Landtag eingebracht.
Auch an den Schulen wollen wir die individuelle Förderung verbessern. Besondere Bedarfe sollen durch Sonderzuweisungen etwa im Rahmen des Sozialindexes, bspw. zur Flüchtlingsbeschulung, abgedeckt werden. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn ist eine optimale und individuelle Forderung jedes Einzelnen. Wir wollen sicherstellen, dass die unterschiedlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten innerhalb der Schülerschaft nicht ausgeklammert und sich die Förderung auf eine Gruppe beschränkt, sondern eine individuelle Förderung vom sonderpädagogischen Förderbedarf bis hin zur Hochbegabung, ermöglicht wird.
Darüber hinaus ist es nach unserer Ansicht wichtig, die duale Ausbildung zu stärken, deren Attraktivität zugunsten von schulischen Ausbildungen nachlässt.
Zahlreiche Studien belegen, dass die Verbindung aus praktischem Arbeiten und theoretischem Lernen für die Auszubildenden effektiv ist und für die Unternehmen genau der richtige Mix aus Wissen und Können. Wir Freie Demokraten setzen uns darüber hinaus für mehr digitale Bildung in der dualen Ausbildung ein. Die vielfältigen Angebote lassen sich genau auf das Können der Auszubildenden und die Bedürfnisse der Betriebe zuschneiden. Auszubildende können so Techniken und Fachwissen von internationalen Spezialisten lernen, ohne den Arbeitsort zu verlassen. Zudem bieten individuelle Lernprogramme mit digitaler Unterstützung Chancen, selbstständig zu lernen und Lücken zu schließen. Das sorgt für besser ausgebildetes Personal.
Auch ein Elternunabhängiges Bafög für volljährige Schüler, Azubis und Studierende möchten wir auf den Weg bringen, damit jeder unabhängig von elterlichen Unterstützungsleistungen und geringen Ausbildungsvergütungen wird.

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Die Arbeitslosenzahlen in Hessen sind aktuell sehr niedrig. Gleichzeitig wächst die Sorge, noch genügend Fachkräfte auf dem Markt zu finden. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz, das Zuzug nach genau definierten Regeln zulässt. Weltweit ist es Standard, dass die Länder solche Zuwanderer zulassen, die die eigene Gesellschaft voraussichtlich nicht belasten. Beispielhafte Gesetze dieser Art sieht die AfD in Kanada oder Australien. Die AfD setzt sich auf Landes- und Bundesebene für ein an deutschen Bedürfnissen ausgerichtetes Einwanderungsgesetz ein.

Zur Gewinnung von Fachkräften trägt auch das Schul- und Ausbildungssystem bei. Hier erleben wir in Deutschland seit vielen Jahren eine ungesunde, aber politisch gewollte Forcierung hin zur universitären Ausbildung. Gleichzeitig sinkt politisch verursacht das Niveau der schulischen Ausbildungen. Beide Entwicklungen werden den jungen Menschen nicht gerecht und führen bezogen auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu Fehlsteuerungen. Die AfD setzt sich für eine gesellschaftliche Aufwertung der unteruniversitären Ausbildung ein und fordert insbesondere in den Schulen eine höhere Leistungsorientierung und Leistungsförderung.

Können zur Lösung dieser Frage nach Hessen kommende Migranten einen relevanten Beitrag leisten?

Diejenigen, die derzeit als „Migranten“ bezeichnet werden kommen aus Ländern mit gänzlich anderen Bildungssystemen, kulturellen Prägungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die wenigsten fliehen vor persönlicher Verfolgung (Asyl), viele fliehen vor Krieg oder wegen wirtschaftlicher Not. Die Erfahrungen der letzten 30 Jahre zeigen, daß die Integration in den Arbeitsmarkt zunehmend schwieriger wird, weil die Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes nicht mit den kulturellen Vorerfahrungen der Migranten übereinstimmen. Insbesondere Arbeitsplätze mit niedrigen Qualifikationsanforderungen werden weniger. Die AfD sieht deshalb in den Migranten nur sehr beschränkt eine Lösung für den deutschen Fachkräftebedarf.

Laut Hessischer Regionaldirektion der Arbeitsagentur sind fast 60% aller Arbeitslosen in Hessen ohne Berufsausbildung. Tendenz steigend. Können diese Menschen überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert werden – und wenn ja: Wie?

Die Ursachen für eine fehlende Berufsausbildung sind sehr vielfältig. Manche lassen sich beheben, andere nicht – auf jeden Fall sind zielgruppenspezifische Maßnahmen notwendig. Grundsätzlich sehen wir die Behörden unseres Landes zunächst verpflichtet, Bürgern des Landes erfolgversprechende Fördermaßnahmen wie z.B. Nachqualifizierungen zukommen zu lassen. Mit der fortgesetzten Zulassung unregulierter Einwanderung lädt sich Deutschland unlösbare Probleme auf, auch auf dem Arbeitsmarkt.